

Leseprobe
»Möchtest du nach Hause gehen?«
Besorgt mustert er mich, als wäre ich besonders zerbrechlich, doch ich schüttle energisch den Kopf.
»Nein, nein. Mir gefällt es hier. Deine Freunde sind alle echt nett und …« Jetzt erst schaue ich mich um. »Und weg sind sie auch«, stelle ich fest. War ich etwa so sehr in Gedanken versunken, dass ich nicht einmal gemerkt habe, dass alle nach drinnen gegangen sind? Warum hat mich niemand darauf aufmerksam gemacht? Bei meinen Worten hellt sich Konnis Miene auf. »Oh, das freut mich«, sagt er und klingt wirklich happy. »Ich war mir nicht sicher, ob dir das alles vielleicht zu viel ist.«
»Ich mir auch nicht«, gebe ich unumwunden, aber mit einem Lächeln auf den Lippen zu.
»Dann find ich es umso besser, dass du tatsächlich mitgekommen bist.«
»Danke, dass du mich noch mal gefragt hast. Ich hab bereits das letzte Mal abgesagt.«
»Ich hab halt gehofft, dass du irgendwann vielleicht mal Ja sagst.« Intensiv studiert er seine Stiefelspitzen. »Obwohl ich’s eigentlich nicht geglaubt hab.«
»Echt?«
Darüber bin ich ehrlich überrascht. So selbstsicher, wie er immer wirkt, ist es für mich kaum vorstellbar, dass er gelegentlich zweifelt. »Na ja, du bist verschwiegen. Es ist schwer zu erraten, was in deinem Kopf vor sich geht.«
»Oh.« Damit, dass man so einen – oder eben keinen – Eindruck von mir gewinnen kann, habe ich nicht gerechnet. »Tut mir leid.«
»Entschuldige dich nicht dauernd.« Endlich sieht er wieder auf. »So bist du halt, dafür kannst du nicht wirklich was.«
»Hm«, mache ich. »Ich wäre lieber anders.«
»Hoffentlich nicht komplett anders«, bemerkt Konni und erntet dafür einen weiteren verwunderten Blick von mir. »Na ja, du hast genügend gute Seiten.«
»Ich wüsste nicht, welche.« Wieder schüttle ich ungläubig den Kopf.
»Ha! Du willst doch nur Komplimente!«
»Was?« Erschrocken reiße ich die Augen auf.
»Hab ich gleich erkannt«, behauptet er gutgelaunt. »Ganz hinterhältiges, mieses Fishing for Compliments. Und das hinter dieser schüchternen Fassade.«